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Historischer Stadtrundgang

Kurzer geschichtlicher Abriss

Der Sassenberg: Amtshaus und Schloss

Zur Absicherung seines Eroberungszuges gegen die Stadt Münster errichtete der Sachsenherzog - und spätere deutsche König und Kaiser - Lothar im Jahre 1121 im Sumpfgebiet der Hessel eine sog. Motte (Erdhügelburg), den später sogenannten Sassenberg. Gut 150 Jahre später fiel er an die Fürstbischöfe von Münster, die ihn in der Folgezeit (ab 1294) zu einer weitläufigen Wasserfeste als Landesburg und Amtssitz ausbauten. Das fürstbischöfliche Amt Sassenberg entprach dabei in etwa dem späteren Altkreis Warendorf. Unter Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen (1650-78) wurde der Sassenberg entfestigt und zu einer landesherrlichen Residenz ausgestaltet mit barocken Gärten und einem Tiergarten von europäischem Rang. Vor dem Sassenberg entstand ein neuer Pfarrort gleichen Namens. 1698 wurde der alten Landesburg ein dreiflügeliges Schloss vorgesetzt. Nach der Säkularisation (1803) veräußerte das Königreich Preußen das Schloss und die zugehörigen Gärten 1827 an Jodocus Rath, Ehemann der Gesellschaftsdame der Witwe des letzten Amtsdrosten. Seine Enkel Heinrich und Christian richteten 1858 im Schloss eine Woll- und Kammgarnspinnerei ein, die bis 1981 produzierte. Ein Großteil der Fassade des Hauptflügels steht heute noch.

Flyer

Kostenlose Führungen

  • 09. Oktober 2021  um 14:00 Uhr (Treffpunkt: Mühlenplatz)

  • 10. Oktober 2021 um 15:00 Uhr (Treffpunkt: Mühlenplatz)

Der Stadtrundgang erfolgt geführt durch Josef Schilling.

Ergänzende Informationen zu den einzelnen Infostelen

Infostele 1. Der Sassenberg: Amtshaus und Schloss

In einer Hesselschleife (ca. 100 m nordöstlich des jetzigen GEBRASA-Schornsteins) errichtete der Sachsenherzog - und spätere deutsche Kaiser - Lothar im Jahre 1121 eine sog. Motte (Erdhügelburg), die in der Folgezeit von den Fürstbischöfen von Münster zu einer Landesburg als Amtssitz ausgebaut wurde. Im 17. Jahrhundert avancierte sie zu einer fürstbischöflichen Nebenresidenz, der um 1700 ein dreiflügeliges Schlossgebäude vorgesetzt wurde. In diesem richteten 1858 die Gebr. Rath eine Woll- und Kammgarnspinnerei ein, die bis 1981 produzierte. Ein Großteil der Fassade des Hauptflügels steht heute noch. Besichtigungen sind über die Stadt oder den Heimatverein möglich.

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Gemälde der alten Landesburg mit der davor liegenden Burgkapelle und dem vorgelagerten dreiflügeligen Schloss sowie Elsengarten und einem Teil des Fürstengartens (re.) nach Plänen des 18. Jahrhunderts.

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Blick vom Dachgeschoss der Villa Rath 1924 auf die Stelle des ursprünglichen Sassenberges inmitten des Ringgrabens am Hesselbogen nahe dem jetzigen Gebrasa-Wasserturm.

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Fürstbischof Christian Bernhard von Galen (1650-78) machte den Sassenberg zu seiner Nebenresidenz, schuf den Tiergarten, erbaute die Pfarrkirche und gründete das Dorf Sassenberg.

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Vereinfachte Zeichnung nach einem Plan aus dem Jahre 1752. Das dreiflügelige Schloss nimmt einen Teil der Vorburg ein und hat einige Höfe und Häuser verdrängt. Gut erkennbar ist die dichte Bebauung der sog. Freiheit.

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Frontansicht und Grundriss des von Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg 1698 erbauten Schlosses. Der als Marstall dienende rechte Seitenflügel wurde 1815 abgerissen, die Steine zum Bau des Warendorfer Landgestüts verwendet.

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Blick um 1900 vom ehemaligen Küchengarten auf das zur Fabrik umfunktionierte alte Schloss. Beim Neueindecken des Daches wurden die Schmuckelemente, wie Turmhauben, Dachausbauten und Schaugiebel, entfernt.

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Firmengründer und Patriarch Christian Rath im Kreise seiner Familie im Jahre 1902 vor dem Efeu berankten seitlichen Schlossflügel. Mit dabei die zur Geschäftsleitung gehörenden Söhne und (ganz außen) Schwiegersöhne.

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Das Luftbild um 1930 zeigt den relativ unberührten Kernbereich des Sassenberges im Hesselbogen und die erst moderat ausgebauten Gebäude der Fa. Rath - im Vordergrund der Drostenhof und im Hintergrund die Villa Rath.

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Schichtwechsel bei Gebrasa um 1955. Die Firma war der Arbeitgeber des Ortes und genoss als sog. Woll-Residenz landesweite Bekanntheit. In deutschen Bahnhöfen grüßten große Werbebanner von Gebrasa-Wolle die Reisenden.

Infostele 2. Schloßstraße/Freiheit

Die Schloßstraße war die Vorburg des Sassenbergs, auf der die befestigten Burgmannshöfe lagen. Nach Abzug der adeligen Burgmänner wurden sie aufgeteilt und an einfache Kötter vergeben. An drei Häusern ist die bäuerliche Vergangenheit heute noch an den rundbogigen Deelentoren zu erkennen. Die Straße wurde auch "Freiheit" genannt, da ihre Bewohner, die Fuhr- und Spanndienste leisten mussten, von der Steuer befreit waren. Etliche Häuser der Schloßstraße stehen heute unter Denkmalschutz. Das restaurierte Fachwerkhaus (Nr. 15) ist das Geburtshaus des Bildhauers Joseph Uphues, der sich in der wilhelminischen Zeit durch viele Denkmäler (vor allem in Berlin und Potsdam) einen Namen machte.
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Blick in die Schloßstraße durch die enge Schloßstraßenbrücke.um 1905. In fürstbischöflicher Zeit hätten die beiden Mädchen sozusagen auf der Grenze zwischen „auf dem Sassenberg“ und „vor dem Sassenberg“ gestanden.

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Lageplan vom Sassenberg um 1695. Vorne rechts die sog. Freiheit mit den Burgmannshöfen, u.a. „Kettelers Hoff undt Garten“, der aber wenige Jahre später dem neuen dreiflügeligen Schloss weichen musste.

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Blick von der Mühlenbrücke mit Nepomukfigur und Waschsteg auf die Umflutbrücke der Schloßstraße. Der Ausschnitt aus der „General Carte 1799“ zeigt diese exponierte Stelle, an der früher eine Zugbrücke den Zugang erschwerte.

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Blick in die Schloßstraße um 1939. Im Hintergrund die Gebäudefront der Fa. Rath mit dem markanten Schornstein dahinter. Pferdefuhrwerk und Leiterwagen sind noch typische Transportmittel dieser Zeit.

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Das 1905 mit charakteristischem Treppengiebel umgebaute Haus mit der Nr. 11 beherbergte über viele Jahre Arbeiterinnen der Fa. Rath. Der ältere hintere Teil des Hauses ist aus Fachwerk und hat noch ein (zugemauertes) Deelentor mit Inschrift.

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Das Haus mit der Nr. 15 ist das Geburtshaus des Bildhauers Joseph Uphues (1815-1911). Der ursprüngliche Zustand ist noch auf dem Foto um 1920 sichtbar. Heute präsentiert es sich als fachgerecht restauriertes Fachwerkhaus.

Infostele 3. Drostengarten/Drostenhof

Der Drostengarten gehörte früher zum Drostenhof, der sich ortsbildprägend an der Stelle des jetzigen Hotels Börding befand. Der Droste war der höchste Verwaltungsbeamte des fürstbischöflichen Amtes. Seine Dienst- und Wohnräume hatte er anfangs im alten Amtshaus auf dem Sassenberg. Als Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen beschloss, zeitweise persönlich in Sassenberg zu residieren, beanspruchte er jedoch das gesamte Amtshaus für sich und erlaubte seinem Drosten 1675 die Anlegung eines Gräftenhofes mit Nebengebäuden und Garten. Der zu fürstbischöflicher Zeit barocke Charakter des Drostengartens soll im Zuge einer Umgestaltung zumindest in Ansätzen wieder sichtbar gemacht werden.
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Blick vom Klingenhagen durch die markanten Torpfeiler der Hofzufahrt auf den Drostenhof. Seit 1675 war dieser für rd. 125 Jahre das Domizil des höchsten fürstbischöflichen Beamten vor Ort - des Amtsdrosten.

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Blick über die Gräfte auf den Drostenhof mit seinem herrlichen Baumbestand. Die mit Rotdorn bestandenen Gräften von Drostenhof und Drostengarten waren ein Idyll im Sommer und ein Dorado für Schlittschuhläufer im Winter.

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Ausschnitt eines Luftbildes aus dem Jahre 1955 mit dem Drostenhof samt Drostengarten. Die geometrische Struktur des früheren barocken Drostengartens ist auch in seiner damaligen Funktion als bäuerlicher Nutzgarten zu erkennen.

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Der Ackerwagen zeigt die bäuerliche Nutzung. Mit der Aufteilung des väterlichen Erbes unter die Brüder Christian („Firma Rath“) und Bernhard („Bauer Rath“) waren die Raths über viele Generationen in zwei Linien in Sassenberg vertreten.

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Die Innengestaltung des Drostenhofes nach dem Umbau 1837/38: links die Dielentür, rechts der Treppenaufgang zur oberen Etage. Die hochwertige Ausstattung lässt die glanzvolle Zeit der Amtsdrosten wieder lebendig werden.

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Ein trauriges Bild. Der Drostenhof wurde 1966 abgerissen und die Gräften mit dem Abbruchmaterial aufgefüllt. Leider hatten zu jener Zeit Geschichtsbewusstsein und Denkmalschutz nicht den heutigen Stellenwert.

Infostele 4. Fürstliche Mühle

Die fürstliche Kornmühle, erbaut 1578, ist das älteste Gebäude Sassenbergs. Sie wurde von einer Umflut der Hessel betrieben. Anfangs wurde sie von leibeigenen Müllern des Fürstbischofs bedient, später der Drostenfamilie von Schilder in Erbpacht übergeben. In der Folgezeit wurde sie auf Turbinenbetrieb umgestellt und elektrifiziert, zwischenzeitlich zweimal aufgestockt und 1987 nach ihrer Stilllegung von der Stadt Sassenberg erworben. Heute steht sie als Begegnungsstätte für Musikkonzerte, Dichterlesungen, Ausstellungen, Seminare und Vereinsarbeit zur Verfügung und kann auch für private Nutzungen angemietet werden.
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Blick vor 1928 auf die Rückseite der Mühle mit dem großen Mühlenkolk, in den die Hessel teils durch das Mühlenhaus zum Antrieb der Turbine und teils über das Wehr floss. Der rundbogig gemauerte Wasserdurchlass ist immer noch sichtbar.

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Grundrisszeichnung der „Churfürstlichen Mühle zu Sassenberg“ von Hauptmann Gröninger 1764/65 mit Darstellung der Schäden am Grundwerk. Das November-Hochwasser 1764 hatte große Schäden an der reparaturanfälligen Mühle verursacht.

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Luftbild vom Turm der Pfarrkirche auf die Mühlenanlage mit Müllerhaus und Nebengebäuden, wie sie vor dem Zweiten Weltkrieg bis 1948 bestand. 1946/47 hatte eine Hochwasserkatastrophe zu Schäden in der Turbinenkammer geführt.

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Dieses Foto anlässlich der Verkleinerung des Mühlenkolks veranschaulicht gleichzeitig die Situation bei größeren Reparaturen an Mühle, Umflut und den Dämmen. Im Vordergrund ein Absperrdamm und eine Baustellenpumpe.

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Das Foto zeigt das aufgestockte Mühlenhaus nach 1948 mit einem für die damalige Zeit noch typischen Pferdefuhrwerk davor. Die Aufstockung war für die Aufnahme neuer technischer Einrichtungen erforderlich geworden.

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Die stillgelegte Mühle 1978 von der Gartenseite mit Müllerhaus und zugeschüttetem Kolk und 1987 nach der Restauration. Der Mühlenbetrieb wurde 1970 für immer geschlossen. Seit 1988 ermöglicht die Mühle als Begegnungsstätte neues Leben in alten Mauern.

Infostele 5. Pfarrkirche St. Johannes

Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen ließ die Pfarrkirche 1670-78 erbauen und erhob Sassenberg noch vor ihrer Fertigstellung zu einer eigenständigen Pfarrei. Der Sakralbau wurde zur Zeit des Frühbarock noch ganz in der Tradition der gotischen westfälischen Hallenkirche errichtet. Neben zwei bedeutenden barocken Portalen mit dem fürstbischöflichen Wappen besitzt die Kirche eine reichhaltige Innenausstattung. Anfangs verfügte sie nur über einen Dachreiter. Der weithin sichtbare markante Kirchturm wurde erst 1913/14 angebaut. Als eine der ganz wenigen Kirchen ist sie nicht geostet, sondern hat aufgrund der örtlichen Gegebenheiten eine Nord-Süd-Ausrichtung.
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Die Sassenberger Kirche um 1912. Mit ihrer Einweihung wurde Sassenberg 1678 auch eigenständige Pfarrei. Vorher besuchten die Gläubigen die Laurentiuskirche in Warendorf. Das darin befindliche „Sassenberger Kreuz“ erinnert an diese Tradition.

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Blick in den reich ausgestatteten Innenraum der Pfarrkirche um 1928. Bis ins 20. Jahrhundert lagen die Pastorengräber ungestört im Chor und im vorderen Kirchraum. Auch die Bänke aus dem Jahr 1681 waren noch unversehrt.

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Auch der Stifter der Muttergottes- und Josefsstatue, der Amtsrentmeister Theodor Samuel Siverdes, wurde im Chorraum beigesetzt. Außer den Pfarrern wurden auch nichtgeistliche Personen von Rang und Familie in der Kirche begraben.

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Die Kirche wurde mit prachtvoll geschnitzten Eichenbänken ausgestattet. Eine trägt die Jahreszahl ihrer Aufstellung: 1681. Im Medaillon einer anderen Bank befindet sich das Wappen der Amtsdrosten von Schilder: der Birk- oder Schilderhuhnkopf.

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Nur wenige Meter vor der Pfarrkirche stand lange auch ein etwa aus der Entstehungszeit der Kirche stammendes Haus, die Schankwirtschaft Moll. Sie wurde im Jahre 1910 abgerissen, da sie dem geplanten Kirchturmbau im Wege stand.

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Der markante Kirchturm wurde der zu klein gewordenen Pfarrkirche 1913/14 nach Plänen des Diözesanbaumeisters Wilhem Sunder-Plassmann angebaut. An der Nordseite wurde dabei das barocke Prunkportal von Galens wiederverwendet.

Infostele 6. "Altes Zollhaus" (Matthies' Haus)

Das aus fürstbischöflicher Zeit (1734) stammende Haus war lange nach seinem Erbauer als „Matthies' Haus“ bekannt. Es handelt sich um ein Bürgerhaus mit bemerkenswert dekorativer Ausstattung (u.a. sog. Kölner Decke in der „besten Stube“), das im Laufe der Jahre etliche Um- und Anbauten erfuhr. Die jetzige Bezeichnung wird von der hier um 1900 befindlichen Straßenmautstation für die neue Chaussee nach Warendorf abgeleitet, die neben einer Schankwirtschaft und einem Kolonialwarenladen zeitweise hier betrieben wurde. Der Gebäudekomplex wurde 2006 durch den Verein „Stadtprojekt Sassenberg e.V.“ erworben und im Hinblick auf kulturelle und gesellige Nutzung restauriert.
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Der Hauserbe Johann Kiewitt bewarb sich 1890 mit Erfolg um die Pacht der Straßenmautstation und bediente den Schlagbaum vor seinem Haus bis zur Aufhebung im Jahre 1906. Von den kassierten Abgaben erhielt er eine hübsche Provision.

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Jahre später heißt es wieder „Freie Fahrt!“ an dieser Stelle. Die bis 1906 hier bestehende innerörtliche Wegezollschranke ist verschwunden und ermöglicht die ungehinderte Durchfahrt dieses Pferdefuhrwerks mit einem Fuder Holz.

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Zu Beginn dieses Jahrhunderts machte das in fürstbischöflicher Zeit recht stattliche Haus einen ziemlich heruntergekommenen Eindruck und war nicht mehr bewohnt. Durch Vereinsinitiative wurde es schließlich vor dem Verfall gerettet.

 
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Altes Zollhaus soll leben

Wer die Vorderfront des giebelständigen Fachwerkhauses an der Schürenstraße mit den beidseitigen Anbauten betrachtet, mag noch heute etwas von dem malerischen Reiz und der architektonischen Wirkung erahnen, welche die ehemalige fürstbischöfliche Residenz Sassenbergs auszeichnete. Mittlerweile krumm und schief und schmuddelig, seit einigen Jahren unbewohnt, wird dieses Haus offensichtlich nicht mehr lange existieren können und irgendwann zusammenstürzen (siehe Bilder unten).

Kaum jemand weiß, dass es sich hier um ein bau- und kulturhistorisches Denkmal von überregionaler Bedeutung handelt, auf die der Hausforscher Laurenz Sandmann von den Warendorfer Altstadtfreunden hinwies.

Der Verein Stadtprojekt Sassenberg e.V. gründete sich auch aufgrund des Zustandes dieses Hauses mit dem Ziel, die Sassenberger dafür zu gewinnen, es nicht nur in seiner Schönheit wieder entstehen zu lassen, sondern sinnvoll zu nutzen und allen Bürgern zugänglich zu machen.

Das zukünftige Konzept, das vorsieht, die Geschichte Sassenbergs und des Hauses darzustellen, kann darüber hinaus durch die Zusage der Familie Schücking, Teile des Familiennachlasses dort auszustellen, zum einmaligen Glücksfall für Sassenberg werden. Dies würde bedeuten, dass ein Baudenkmal von außerordentlichem Rang mit einem entsprechenden musealen Inhalt gefüllt werden kann.

Welch eine Chance für Sassenberg, welch ein Image- und Prestigegewinn mit den daraus folgenden positiven Impulsen für das kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben, die auch unter den für Sassenberg wichtigen touristischen Aspekten bedacht werden müssen.

Hier nochmal die möglichen Nutzungsvorschläge als Punkte zusammengefasst:

  • Museum für die Geschichte Sassenbergs
  • Ausstellung des Nachlasses der Familie Schücking
  • Heimatarchiv
  • Vielfältige Begegnungstätte
  • Räumlichkeiten für kleinere Veranstaltungen
  • Räume für Vereinsarbeit
  • Heimatarchiv

Chronologie des Hauses


1734

Errichtung des Fachwerkhauses

1829

Erste Anbauten vor 1890 entstanden

19. Jh. 

Aufteilung der Küche durch eine Längswand (Aufkammer, Keller, Küche)

um 1890

Umbau der Diele zu einem Flur, Einzug einer Geschossdecke, Treppeneinbau

um 1890

Errichtung des rückwärtigen Wirtschaftsteils, mit Einbau des alten Torbogens des Vorderhauses

1890

Eigentümer ist der Schankwirt Joh. Kiwis, der in diesem Jahr eine Hebestelle für die Chausseebenutzung erhält 

um 1900

Vergrößerung des linken Anbaus zu einer eigenständigen Wohnung

19. Jh. 

In der zweiten Hälfte entstand an der rechten Traufseite der bestehenden Anbau

vor 1950

Einbau des Ladenlokals 

1954

Umbau des rechten Anbaus zum Ladenlokals 

2005

Gründung der Initiative Stadtprojekt Sassenberg e.V. zur Rettung des Hauses

2006/2007

Restaurierung, erste Bauphase, Rettungsmaßnahmen, Giebelarbeiten

2008

Restaurierung, zweite Bauphase, Dacherneuerung

Ein überregional wichtiges Denkmal

Die wissenschaftlichen Untersuchungen ergaben, dass das Haus 1734 als Bürgerhaus entstand und ausschließlich zu Wohnzwecken diente, ohne die sonst übliche landwirtschaftliche oder gewerbliche Nutzung.

Besonders hervorzuheben ist die Ausstattung, die, soweit sie sich noch heute erhalten hat, bemerkenswert dekorativ gewesen ist, u.a. die Stuckdecke eines Zimmers, die durch ihre Form und Ausstattung als „Kölner Decke“ bezeichnet wird und absolut ungewöhnlich für ein Fachwerkhaus dieser Größe ist. Wegen der ortsgeschichtlichen Bedeutung und des Anpruchs in der Gestaltung ist davon auszugehen, dass das Haus auch in seinen Oberflächen aufwendiger ausgestattet worden ist.

Darüber hinaus ist die Geschichte des Hauses selbst in ungewöhnlich dichter Überlieferung vorhanden. Die Hausgeschichte ist am Kernbau und den Nebengebäuden – sowohl innen wie außen – besonders gut ablesbar und gibt Einblicke in die sich wandelnden Lebensverhältisse der vergangenen 270 Jahre.

Dies wiegt umso mehr, als es sich nach den bisherigen Kenntnissen nicht um einen durchschnittlichen Bau handelt. Aufgrund seiner Ausstattung ist es ein weit über den Standard hinausreichendes Haus, wie es wohl für einen Beamten angemessen wäre. Diesem Haus kann nach jetzigem Wissensstand kein vergleichbares Haus in ähnlich dichter Übelieferung zur Seite gestellt werden. Damit ist der Bau ein wichtiges Zeugniss der Vergangenheit Sassenbergs, ebenso wie der der für die Bauweisen und Lebensverhältnisse des ganzen Münsterlandes.

Infostele 7. Haus Schücking

Haus Schücking wurde 1754 vom Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun als Sommerhaus für den fürstbischöflichen Kanzler Christoph Bernhard von Schücking erbaut. Die Familie Schücking hat in der Folgezeit viele bedeutende Persönlichkeiten hervorgebracht. Zu ihren prominentesten Vertretern gehören der Schriftsteller und Journalist Levin Schücking und sein Enkel, der Völkerrechtler Walther Schücking, der als erster Deutscher an den internationalen Gerichtshof in den Haag berufen wurde. Das Haus wird privat bewohnt. Der parkähnliche Garten mit barocken Skulpturen kann jedoch nach Absprache besichtigt werden. Das Nebengebäude ist Sitz der Umweltorganisation „urgewald“.
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Nach Schlauns „Concept eines Tusculani vor den H. Cantzeleren von Schücking zu Sassenberg“ wurde das kleine Herrenhaus 1754 in „Wibberts Garten“ gegenüber der Pfarrkirche errichtet. Der Bauherr hatte das Grundstück von seinen Schwiegereltern.

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Das Bild zeigt das adelige Allianzwappen des Kanzlers Christoph Bernhard von Schücking (weißes Einhorn in grünem Feld) über dem Eingangsportal seines Sommerhauses. Er war der höchste Verwaltungsbeamte des Fürstbistums.

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Gemälde von Levin Schücking (1814-1883) im Alter von 65 Jahren. Der Journalist und Schriftsteller war mit der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff befreundet und veranlasste den südlichen Anbau von Haus Schücking (1882).

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Haus Schücking um 1930. Knapp 100 Jahre vorher war der Enkel des Kanzlers (Bernhard) der erste Sassenberger Bürgermeister in preußischer Zeit.  Haus Schücking galt immer als Hort eines aufgeklärten, selbstbewussten Bürgertums in sehr konservativer Umgebung.

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Schlauns Entwurf der Gartenseite von Haus Schücking. Diese hatte für den Bauherrn eine größere Bedeutung als die Straßenseite und wurde deshalb besonders kunstvoll gestaltet. Im parkähnlichen Garten befinden sich barocke Skulpturen.

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Das Ehepaar Luise (geb. Beitzke) und Lothar Schücking um 1900 mit den drei berühmten Söhnen (v.l.) Walther (Staats- und Völkerrechtler), Levin (Anglistikprofessor und Shakespeare-Forscher) sowie Lothar Engelbert (Rechtsanwalt und Bürgermeister).

Infostele 8. Loreto-Bildstock/Küchengarten

Der Loreto-Bildstock wurde im Jahre 1745 vom fürstbischöflichen Hofgärtner Ferdinand Breuer an der Brücke aufgestellt, über die der Weg zu seinem Haus im Küchengarten führte. Er ist wahrscheinlich der einzige Loreto-Bildstock in Westfalen. Das Gnadenbild des bekannten Wallfahrtsortes in Italien, dessen Stadtsilhouette in der Sockelzone angebracht ist, genoss die besondere Verehrung des damaligen Fürstbischofs Clemens August von Baiern. Es handelt sich hier um eine Kopie, das Original befindet sich in der Kapelle des Sassenberger Altenzentrums. Das jetzige Schulgrundstück der Johannesschule entspricht exakt dem von einer Gräfte umflossenen, zum Amtshaus gehörenden Küchengarten.
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Bei dem rechts hinter dem Loreto-Bildstock gelegenen alten Fachwerkgebäude handelt es sich um die in den 1820er Jahren errichtete frühere Mädchenschule, die später als Kindergarten diente. Sie befand sich genau an der Stelle des vormaligen Gärtnerhauses.

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Der Original-Bildstock von 1745. Erbin war die Tochter des Stifters, verheiratete Lietmann. In diese Familie heiratete sich in der nächsten Generation Adam Deno ein. Seitdem heißt der Bildstock bei den Sassenbergern „Denos Beld“.

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Die Postkarte um 1900 zeigt das Panorama des früheren Burggeländes vom Küchengarten aus gesehen. Unten die auf dem vorderen Teil des Küchengartens in der Zeit von 1830 bis 1910 errichteten verschiedenen Schulgebäude.

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Luftbild vom Kirchturm auf das Gebiet des früheren Küchengartens mit den Schulgebäuden und dem Loreto-Bildstock im Vordergrund, dahinter links die Villa Dörholt im früheren Elsengarten und die Villa Rath im ehemaligen Fürstengarten.

Infostele 9. Infotafel Tiergarten/Fürstengarten

Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen ließ im Hesselbruch (Brook) einen Tiergarten von europäischer Berühmtheit anlegen. Die vom Heimatverein Sassenberg aufgestellten Infotafeln veranschaulichen und erklären die damalige Topografie um 1765 und stellen ihr den heutigen Zustand (1994) gegenüber. Rechts von den Infotafeln ist im Hintergrund das weiße Gebäude der Villa Rath zu erkennen. Sie wurde exakt auf dem Kreuzungspunkt der beiden zentralen Wegachsen des früheren Fürstengartens errichtet. Dieser war in fürstbischöflicher Zeit eine von einer großen Wasserfläche umgebene barocke Attraktion u.a. mit Ballsaal und Orangerie.
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Die aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammende Ansicht zeigt den Fürstengarten mit Ballhaus (li.) und Orangerie (re.) etwa vom heutigen Schützenplatz aus gesehen. Links im Hintergrund das Schloss und rechts das ältere Amtshaus.

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Plan der wasserumgebenen Residenz Sassenberg um 1750. Anfangs befand sich zwischen Lust- bzw. Fürstengarten und dem kreisrunden Schneckenberg noch eine Dreiecksinsel. Inzwischen ist sie abgerundet und mit dem Fürstengarten verbunden.

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Firmenpatriarch Christian Rath ließ seine neue Villa mitten auf der Hauptachse des Fürstengartens errichten und bezog sie zu seinem 75. Geburtstag am 30.05.1910. Das alte Domizil im Schlossflügel wurde Werkswohnung.

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Schützenaufmarsch vor der Villa Rath. Solange „Tante Paula“, die Tochter des Firmengründers Christian Rath, noch im Fürstengarten lebte, machten die Schützen ihr nach der Krönung des neuen Schützenkönigs ihre Aufwartung.

Bild- und Textnachweise

Bilder und Texte zusammengestellt von Josef Schilling aus Büchern von Hans Christoph Fennenkötter zur Sassenberger Geschichte.

Zum Objekt 6 -Zollhaus-: zusätzlich Ausschnitte aus Screenshots (September 2021) der Homepage von Stadtprojekt Sassenberg e.V.

Zum Objekt 4 -Fürstliche Mühle-: zusammengestellt aus: Erika Wicher, Die Fürstliche Mühle in Sassenberg, 1989.