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Rundgang Tiergarten

Kurzer geschichtlicher Abriss

Fürstbischöflicher Tiergarten

Der historische Sassenberger Tiergarten, eine ehemals weitläufige barocke Gartenanlage von europäischem Rang mit Alleen, Terrassen, Gräften und Tiergehegen wurde im 17. Jahrhundert durch Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen angelegt. Trotz aller Veränderungen und Verluste legt der heute unter Naturschutz stehende Tiergarten als Bodendenkmal ein herausragendes Zeugnis von der Geschichte der Garten- und Landschaftsgestaltung und der Kultur der Barockzeit ab. 

Tiergarten NEU

Kostenlose Führungen

  • 09. Oktober 2021 um 15:30 Uhr (Treffpunkt: Infotafel Tiergarten mit Rad)

  • 10. Oktober 2021 um 15:30 Uhr  (Treffpunkt: Infotafel Tiergarten mit Rad)

Der Rundgang erfolgt geführt durch Ansgar Russell.

Ergänzende Informationen zu den einzelnen Infostelen

1. Infostele Schneckenberg

Tiergarten

Der Schneckenberg war als Gestaltungselement in der europäischen Garten- und Landschaftsarchitektur ab dem 16. Jahrhundert und insbesondere in der Barockzeit äußerst beliebt.

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Dieser zweite, neu kolorierte Kupferstich aus dem 18. Jahrhundert zeigt den Sassenberger Schneckenberg umgeben von einer ausgedehnten Wasserfläche. Hinter dem Schneckenberg ragt das Amtshaus hervor, links und rechts sind die Orangerie und das Ballhaus zu erkennen. Der von Bäumen flankierte Weg führt zu der im Jahre 1678 eingeweihten, hier an ihrem Dachreiter erkennbaren Pfarrkirche. Am rechten Bildrand ist die Häuserreihe zu sehen, die in den 1660er Jahren auf dem Klingenhagen entstand.

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Der Plan zeigt sehr anschaulich die Anlage der Sassenberger Residenz mit ihren vielen Wasserläufen. Der Schneckenberg ist als kreisrunde Insel zu erkennen, die mit einer Brücke vom Fürstengarten aus begehbar war. Nördlich säumen zwei parallel angelegte Wasserläufe eine Allee, die heute noch rudimentär erhalten ist. Diese können Sie entdecken, wenn Sie die Hesselbrücke überqueren. Blicken Sie auf die Baumreihe, die die Wiese auf der linken Seite nördlich begrenzt. Sie zeigt den Verlauf der ehemaligen Allee, die heute dicht bewaldet ist. Reste der beidseits verlaufenden Gräften sind noch gut zu erkennen.

2. Infostele Entenkoje

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Bereits für das 13. Jahrhundert sind Entenkojen (von niederländisch kooi “Käfig“) in den Niederlanden nachgewiesen. Im 17. Jahrhundert erfuhren sie in England und auch schon vereinzelt im Münsterland eine weitere Verbreitung. Im darauf folgenden Jahrhundert wurden zahlreiche Vogelkojen auf den nordfriesischen Inseln eingerichtet, von denen bis heute noch einige auf der Insel Föhr dem Entenfang dienen.

Entenkoje
Entenkoje
 

Die Vogelkoje auf Sylt

Eine der letzten Vogelkojen ist auf der Insel Sylt erhalten, die von 1767 bis 1921 dem Entenfang diente. In den Ecken eines künstlich angelegten Teiches befanden sich die Fangarme. Wenn der Kojenwärter gezähmte Wildenten, sog. Lockenten, innerhalb des Fangarmes fütterte, folgten die Wildenten ihren gezähmten Verwandten. Durch Kojenhunde erschreckt, gerieten diese immer weiter in die Fangarme bis zum Ende der Reusen. Die Reusen wurden am Ende geöffnet, so dass man die Enten ergreifen und ihnen durch einen raschen Dreh, das Ringeln, das Genick brechen konnte.

3. Infostele Fasanerie

Im 17. Jahrhundert erfreuten sich Fasanerien beim deutschen Adel immer größerer Beliebtheit. Sie waren häufig Teil einer sogenannten Menagerie, einer historischen Form der Tierhaltung, die der Macht -demonstration und der Erbauung diente.
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Ende des 17. Jahrhunderts wurde durch Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg auch der Sassenberger Tiergarten um die Attraktion einer Fasanerie bereichert. Die weitläufige Anlage war von Wassergräben und hohen Staketenzäunen umgeben und ein hauptamtlicher Fasanenwärter sorgte für die Sicherheit, die Aufzucht und die Fütterung der Tiere. Ein bescheidenes Fachwerkhaus an der Hauptallee zu dem ein Kuhstall, eine Torfhütte und ein Gemüsegarten gehörten, diente ihm als Dienstwohnung. Jedoch erfolgte aus Sparsamkeitsgründen bereits im Jahre 1727 unter Fürstbischof Clemens August von Bayern eine Verlegung der Fasanerie von Sassenberg zur Nebenresidenz Ahaus. In der Folgezeit wurde das Wärterhaus an verschiedene Sassenberger Familien vermietet, bis es Ende der 19. Jahrhunderts aufgrund von Baufälligkeit abgerissen wurde.

4. Infostele Kaninchenberg

tiergarten

Beliebte Gestaltungselemente barocker Gartenanlagen waren auch sogenannte „Belvederes“, Aussichtspunkte mit freier Sicht in die Umgebung und „points de vue“, visuelle Zielpunkte einer Sichtachse. Vom Sassenberger Tiergarten können heute lediglich die vorhandenen Erdhügel des Schneckenberges und des Kaninchenberges ein bescheidenes Zeugnis dieser gestalterischen Besonderheiten ablegen. Allerdings finden Sie hierfür noch gut erhaltene Beispiele wesentlich größerer Dimension im Tiergarten Kleve oder im Schlosspark Wilhelmshöhe, Kassel.

5. Infostele Amtsjägerhaus

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Nach Fertigstellung des Amtsjägerhauses im Jahre 1670 bezog Johann Hermann Empting als erster fürstbischöflicher Amtsjäger seinen Dienstsitz. Er war nicht nur für die Aufsicht des Tiergartens, sondern für sämtliche Jagdbelange des Amtes Sassenberg, das sich bis Marienfeld und bis Freckenhorst erstreckte, verantwortlich. Sein Nachfolger Anton Wiesmann stiftete zu Beginn seines Amtsantritts einen Marienbildstock, der bis heute im Volksmund als „Heynen Beld“ bekannt ist. Nachdem Westfalen 1803 dem preußischen Königreich zufiel, wurden nun Förster als Amtsnachfolger der Amtsjäger eingesetzt. Die letzten drei Sassenberger Förster stammten aus drei Generationen der Familie Hölker. Ab 1860 fand das alljährliche Vogelschießen zum Schützenfest im Garten des Forsthauses statt, eine Lokalität, die sich mehr und mehr auch zu einer beliebten Gartenwirtschaft entwickelte. An Sommernachmittagen gab es hier für Familien Kaffee, selbstgebackenen Kuchen und Stippmilch und die Kinder amüsierten sich mit den zahlreichen Kleintieren. Auch abends wurde im Garten manch fröhliches Fest gefeiert.

Hugo Hölker, der die Nachfolge seines Vaters als Förster antrat, sollte als Letzter dieses Amt in Sassenberg bekleiden. Noch im Kriegsjahr 1943 nahm er das verlockende Angebot der Übernahme einer vermeintlich attraktiven Forstverwaltungsstelle in Ostpreußen an, zu der auch das Elchjagdgebiet von Hermann Göring gehörte. Nach bereits gut einem Jahr musste er mit seiner Familie vor den nahenden russischen Truppen die Flucht zurück in die alte Heimat antreten, wo ihm nach Ende des Krieges aufgrund seiner politischen Vergangenheit die Rückkehr ins Sassenberger Forstamt nicht gewährt wurde.

Im Jahre 1948 bezog Ferdinand Tarner mit seiner Familie das ehemalige Amtsjägerhaus und wurde als Waldwärter angestellt.

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Im Jahre 1949 feierte Felix Tarner seine Erstkommunion. Auf dem Foto ist er (zweiter von rechts) mit seinen Eltern und Geschwistern abgebildet.

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Während auf der Stele eine Ansicht der Gartenseite abgebildet ist, sehen Sie hier die Vorderseite des Amtsjägerhauses.

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Anfang der 1950er Jahre errichtete er ein neues Wohnhaus und die alten Gebäude wurden mit Hilfe der Nachbarschaft abgerissen.

Mit dabei waren: 

Ferdinand Tarner, Gerd Ellebfacht, Josef Hülsmann, Felix Tarner, Willi Kunstleve, Franz Eggersmann, Berhanrd Tarner

6. Infostele "Heynen Beld" und Birkenallee

Tiergarten
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges führte der Mangel an Brennmaterial zu vermehrten Rodungen im Brook und damit zu erheblichen Verlusten des historischen Baumbestandes im Sassenberger Tiergarten. In besonderem Maße betraf dies die Birkenallee, von der nach Anordnung der amerikanischen Besatzung zwei Drittel des Baumbestandes gefällt wurden. Einige Sassenberger wurden dazu bestimmt, die Baumstämme per Hand passend auf ein Längenmaß von zwei Metern zu zersägen, damit sie so in die USA verschifft werden konnten. In den späteren Jahrzehnten wurde der noch verbliebene Birkenbestand immer mehr durch andere Gehölze, insbesondere durch Akazien verdrängt, so dass die Birkenallee ihren typischen Alleencharakter nach und nach verlor. Seit einigen Jahren gibt es Bestrebungen, den ursprünglichen Zustand durch Neuanpflanzungen von Birken wiederherzustellen.
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Der Marienbildstock, das sogenannte „Heynen Beld“ , wurde seit Generationen von einer Nachbarschaft gepflegt. Der Umkreis des Bildstocks, vor dem sich eine Kniebank befand, war durch einen Zaun eingefriedet.

Tiergarten
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Eine besondere Rolle spielte das Gnadenbild als vorletzte Station der „Großen Prozession“, die jedes Jahr am zweiten Sonntag nach Fronleichnam stattfand. Schon am Samstag traf sich der feste Kreis aus Nachbarn und weiteren Helfern aus „dem Dorf“, um den Bildstock und dessen Umgebung für die Prozession herzurichten. Es wurde gefegt, geharkt und geschrubbt und ein schmucker Blumenteppich angelegt. Mit der späteren Verlegung der „Großen Prozession“ verlor der Marienbildstock seine besondere Bedeutung. Heute sind es die unmittelbaren Nachbarn Eggersmann und Osthoff, die sich mit wachsamen Augen um das „Heynen Beld“ kümmern.